Mit dem Trafo in die Kaverne – Eine 109 Tonnen schwere Fracht reiste vom Auhafen ins Wallis

Transportwelt

Liestal (BL): Mit dem relativ kurzen Transport geht es gut durch den Flaschenhals.

Erneuerbare Energie ist in aller Munde, meistens ist damit Energie aus Wind und Sonne gemeint. Eine sogenannte alte Energieform, die in der Schweiz weitverbreitet ist, ist die Wasserkraft. Allerdings sind die Wasserkraftanlagen meist schon vor langer Zeit gebaut worden. Dafür werden sie regelmässig erneuert und optimiert, damit unter den gleichen Grundvoraussetzungen mehr Leistung herausgeholt werden kann. Um die Leistung abzuführen, sind wiederum Maschinentrafos notwendig. Wir begleiteten einen neuen Trafo auf seinem Weg bis in die Kraftwerkskaverne in Bitsch im Südwesten der Schweiz.

In sieben Nächten durch die Schweiz

109 Tonnen schwer ist der Transformator, der Anfang Dezember 2024 im Auhafen ankam und in die Seitenträgerbrücke von Friderici Spécial geladen wurde. Da der Transformator relativ klein und auch nicht zu schwer ist, reicht die Brücke von Scheuerle, die früher bei Tschudy im Einsatz stand. Diese Seitenträgerbrücke hat durch die Kürze Vorteile gerade im Gebirge, ist aber auch auf der ganzen Strecke eine Erleichterung. Je kürzer nämlich gefahren werden kann, desto wendiger wird der ganze Transport. Vom Auhafen bei Basel geht es in total sieben Nächten am Genfersee vorbei ins Wallis bis nach Bitsch. Die Ortschaft dürfte durch ihren Namen weltweite Bekanntheit haben, sie befindet sich gleich neben Brig. Die Ortschaft beheimatet gleich zwei Kraftwerke, zum einen ein Bahnstromkraftwerk der Schweizerischen Bundesbahnen SBB und zum anderen das Kraftwerk der Elektro Massa SA, das 1969 in Betrieb genommen wurde. Während der Transport ins Wallis vor allem für die Bediener der Seitenträgerbrücke eine Herausforderung ist, da es nass und kalt ist, geht der Transport problemlos von der Hand. Doch nur nach Bitsch transportieren ist das eine, der Trafo muss noch in den Berg hinein. Um den Transformator in den Berg zu bekommen, muss die Seitenträgerbrücke umgebaut werden, sodass jeweils nur vier Achsen die Drehschemel der Brücke aufnehmen. Dazu wurde ein Liebherr LTM 1300 ins Wallis geschickt, damit konnten die Achsen ausgebaut und die Drehschemel versetzt werden. Ebenso mussten die Drehschemel aussermittig versetzt werden, damit nichts an den Wänden des Zugangsstollens streift. Hierzu waren im Vorfeld aufwendige 3D-Messungen notwendig, um den Transport zu simulieren und die maximalen Abmessungen des Trafokessels herauszufinden, sodass Siemens Energy diesen entsprechend der Zugänglichkeit bauen konnte. Der Schwerpunkt der Ladung durfte beim aussermittigen Transport auch nicht ausser Acht gelassen werden, damit der Transport nicht umkippt. Auch dies wurde natürlich berechnet, damit alles reibungslos ablaufen konnte.

Nach der Umbauaktion wurde der Transport über das Wochenende im Zugangsstollen der Kaverne geparkt. Am Montag wurde dann das ganze Gespann durch den Zugangsstollen in die Kaverne gestossen, wobei zu beachten war, dass die Achsen bis fast ganz an die Rückwand geschoben werden mussten, damit der Transformator mit dem Hallenkran angehoben werden konnte. Dazu wurde der Trafo mittels der Fahrzeughydraulik abgesetzt und dann nochmals aussermittig angehoben, sodass er noch etwas weiter in die Kaverne gelangte.

Anschliessend wurde die Seitenträgerbrücke aufgemacht, damit der Transformator abgedreht werden kann. In einem Hub, welcher die volle Konzentration des Kranführers benötigte, wurde der Transformator anschliessend vor den Zugang zum endgültigen Standort gehoben. Hier kann er anschliessend via Seilzugapparat eingebracht werden.

Leerfahrten sind unproduktiv

Da Leerfahrten ineffizient sind, bot sich hier an, gleich den alten Transformator, der ein wenig leichter war, aus der Kaverne hinauszuziehen. Dieser wurde allerdings draussen auf eine andere Kombination geladen und konnte relativ hoch durch das Wallis gefahren werden. Auf der letzten Fahrt zur Entsorgung hatte der ausgediente Transformator nicht mehr so viele Brücken zu unterqueren, sodass auch mit hoher Ladung gefahren werden konnte. Leerfahrten gab es natürlich trotzdem, denn die Teile der Seitenträgerbrücke mussten wieder zurück auf den Hof von Friderici Spécial kommen.

Das Kraftwerk Bitsch

Das Kraftwerk befindet sich in einer Kaverne, rund 800 m im Berg. Hier wurden drei Turbinengruppen installiert, die 340 mw Leistung umwandeln. Dazu wurde die Staumauer Gebidem auf 1436 m ü. M. gebaut. Die Bogenstaumauer ist 122 m hoch und staut 9,2 Mio. m3 Wasser vom Abfluss des grossen Aletschgletschers. Bei Volllast stürzen 55 m3/s Wasser die 750 m zu den Turbinen hinab. Pro Stunde werden die Turbinen mit bis zu 40 t Sedimenten belastet. Daher wundert es nicht, dass die Turbinengruppen zwischendurch ausgetauscht werden. 

Text und Fotos: Erich Urweider